Manche Bäume wollen einfach nicht bestückt werden…
Author: evident (Florian Bäthge) | Filed under: Allgemein, Hardware, Software, Technik… oder auch: “Wenn man an der Pilotleine abseilen könnte!”
Hallo allerseits,
hier mein Szenario des gestrigen Abends:
Bereits bei einer Rundfahrt vor einigen Tagen fand ich einen Baum, welcher mir als sehr geeignet für einen Klettercache erschien. Unten ein Durchmesser von etwa einem Meter, und in etwa 12 Meter Höhe eine schöne große, gut auseinandergehende Astgabel mit dicken Ästen, und 50cm darunter ein schöner kleinerer herausgehender Ast, welcher gut eine Dose halten könnte… also aus dem Aspekt ein schöner Baum für einen kleinen Baumklettercache…
Gestern Abend sollte der Baum dann bestückt werden… alles war vorbereitet, die Ausrüstung vor Ort und es ging ans Werk. Da ich nicht über eine Bigshot oder andere Geräte zum katapultieren der Wurfsäcke verfüge, ging ich mit meiner bewährten Pendeltechnik ans Werk.
Als Wurfball verwende ich einen Selbstbau, bestehend aus einem alten dicken Gummiball in Tennisballgröße (wie man ihn zB als Spielzeug für Hunde findet) mit eingelassenem Metallhaken, welcher am Gewinde breit gesichert war sowie einige kleine Metallstücke. Das ganze dann ausgefüllt mit Montagekleber aus der Spritzdose. Sicher nicht das gelbe vom Ei, hat aber bisher immer gute Dienste geleistet. Als Pilotleine habe ich zum Einen eine 100m rote Maurerschnur (2,5mm) zur Verfügung sowie eine 50m Rolle Fliesenschnur mit etwa 3mm Durchmesser.
Mit diesem Epuipment ausgerüstet stand ich nun auf einer kleinen Brücke direkt neben dem Baum, von welchem man gutes Wurf- bzw Schussfeld zum Seileinbau hat, und versuchte mich an meiner Pendeltechnik.
Bereits der zweite Wurf ging über die passende Astgabel, hing aber irgendwie fest und wollte trotz jeglicher Versuche nicht weiterrutschen, sodass der Wurfball zum Boden kommt. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Ball wieder abzuziehen und es erneut zu versuchen.
Diese Prozedur wiederholte sich dann etwa dreimal, bis, verursacht durch einen unglücklichen Wurf, der Ball in einer kleineren Astgabel festhing. Als einzigen Weg, den Ball runterzubekommen, sah ich schütteln und ziehen an der Leine, was am Ende sogar so stark war, dass der Haken aus dem Wurfball ausriss, und beide Teile einzeln zu Boden vielen.
Ich wollte jedoch nicht aufgeben, also gings ans Reparieren des Wurfballs, was nach einigen Minuten auch gut geklappt hat. Alles war wieder am Platz und schien relativ fest zu sein, also versuchte ich es erneut… und wie es kommen musste: der Ball verfing sich erneut in einer Astgabel, jetzt aber an einem etwas größeren Ast, wo mir klar war, das wird nicht leicht ihn herauszubekommen. Erneut war die Zugvariante meine einzige Chance, vielleicht wieder den Haken aus dem Ball zu bekommen und ihn nicht oben im Baum lassen zu müssen…
Doch meine Kraft reichte dafür einfach nicht aus, selbst in die Handschuhe schnitt sich die verwendete Fliesenschnur ein. Ich fand es sehr erstaunlich, dass ich die Fliesenschnur nichtmal zum reißen bekomme. Dabei war durch die vorhergehenden Versuche die Pilotschnur etliche male in den kleinen Bach unter dem Baum gefallen und somit schon ziemlich wassergetränkt. Ich versuchte die Härtemethode und nahm das Brückengeländer als Umlenkung, band eine Bandschlinge und Karabiner in die Fliesenschnur ein und zog wie ein Pferd den Pflug an dieser kleinen Schnur, jedoch ohne Effekt… selbst andere Zugkonstruktionen wollten dieses kleine, bereits etliche male strapazierte Band nicht zum reißen bringen…
Nach einiger Zeit blieb mir nichts weiter übrig, als die Schnur mit dem Messer zu zerschneiden und somit meinen Wurfball im Baum zu lassen. Auch mit anderem Wurfball und Zweitschnur war nicht mehr an den Ball heranzukommen.
Nach etwa 2 Stunden misslungenem Seileinbau bzw. Wurfballrettung gab ich auf und zog wieder ab…
… manche Bäume wollen wohl einfach nicht bestückt werden!
Diese Geschichte musste ich einfach mal loswerden! Ist euch vielleicht schon einmal etwas ähnliches passiert? Was habt ihr für Strategien bei verfangenen Wurfbällen/Wurfsäcken? Ich finde es immernoch erstaunlich, wieviel diese einfache Fliesenschnur (rot-weiss aus dem Toom-Baumarkt) aushält. Sie war nach etlichen Caches schon sichtbar beansprucht und hat sich an einigen Stellen schon etwas gefranst, aber war selbst im durchnässten Zustand immernoch extrem stabil!
-Flori-
Tags: Fliesenschnur, Klettern, Pilotleine, T5

April 22nd, 2010 at 19:25
Die Bäume wehren sich zurecht dagegen zu vertikalen Leitplanken zu verkommen !
April 22nd, 2010 at 19:47
Davon kann ich ein Lied singen… manchmal ist es wie verhext. Siehe “1111″ ;-)
Grüße und ich hoffe Du legst den doch noch. Es ist Frühling und das Kletterzeugs steht noch im Flur ;-)
April 22nd, 2010 at 23:52
Es gibt Bäume, die kosten einen richtig Material.
Ich hätte da noch 3 anzubieten, in denen Wurfsäcke von mir der Rettung durch Lebensmüde harren.
Einmal weit oben, weit draußen an einem morschen Ast wo man sich beim besten Willen nicht sichern kann, einmal ganz oben in der Krone wo man allenfalls als kleiner Vogel noch landen kann und einmal inmitten eines märchenhaften übermannshohen Dornenhaufens in das man selbst im Winter nur mit einer Motorsense vordringen könnte.
Aber zum Thema: Abreissen lässt sich die Pilotleine immer. Notfalls wird ein normales Kletterseil drangebunden, nochmal leicht um einen Umlenkerbaum (nur ein paar Grad, die aber “Deckung” geben) und dann kräftig ziehen, ggf. mit mehreren Leuten.
April 23rd, 2010 at 06:32
Ich empfehle eine Schleuder aus der folgenden Kombination. Teleskopierbarer Malerstab, Gartenharke und einer Wasserballschleuder. Materialkosten so um die 25 EUR und sehr effektiv.
April 23rd, 2010 at 10:02
Hallo,
Ich habe die besten Erfahrungen mit einem billigen Wurfsack gemacht 4,99 bei ebay
Suchbegriff „Wurfleine Polyamid“ die Leine ist nicht so der Renner aber der Sack ist unkaputtbar auch die Spindel ist sehr brauchbar. Als Wurfleine ist die sehr glatte 2,2mm von Edelrid (rot/weiß) zu empfehlen hat schon über 100 mal gute Dienste geleistet, für sehr weite und präzise Aktionen habe ich die sehr leichte und dünne Snake-Skin Dyneema Wurfleine von Freeworker (nur für Aktionen über 30m)
Vielleicht noch ein kleiner Tipp, wir haben uns angewöhnt bei Fehlschüssen (wirklich bei jedem) den Sack runter lassen, aushängen und nur die Schnur zurückziehen, dass kostet zwar viel Zeit aber hat uns mit Sicherheit viel Frustration erspart.
In diesem Sinne.
April 23rd, 2010 at 14:58
Danke für eure Kommentare bisher! Sorry, dass ich einige erst jetzt freischalten konnte, war leider nicht am Rechner.
@upigors:
Ja auf die “1111″ bin ich auch schon gespannt… wie lange hast du für den gesamten Cache in etwa gebraucht? :D
@jha:
Ja aber das Gefühl, dass man die Leine abreißen könnte, hatte ich diesmal irgendwie nicht… so wie ich mich da eingebaut habe, hing ich quasi schon komplett daran… Klar wäre sie beim kompletten Gewicht gerissen, aber für die einfache billige Fliesenschnur war sie wirklich seeeehhr stabil! :D
@Azimut400gon:
Also du meinst als Art Bigshot-Nachbau? Haben diese Wasserballschleudern denn auch genug “Batz”? Und sind die relativ stabil? Hab nicht gerade Lust, mir ein Auge durch nen gerissenen Gummi auszuhauen^^
@Buckel:
Von Edelrid hatte ich auch einmal eine Leine probieren dürfen, das war aber die gelbe mit 2,6mm. Und daran die Wurfsäcke von Edelrid. Und ich kann mir vorstellen, dass die sehr reibungsarm über die Astgabeln läuft, da sie ja ziemlich glatt ist. Wollte das Geld dafür aber nicht wirklich investieren. Und dazu passenderweise noch 45€ für diese Edelrid-Falttasche auszugeben… vielleicht später mal…
-Flori-
Mai 19th, 2010 at 20:17
Diese Wurfschnur verwende ich auch. (Also die Rot-weiße 3,nochwas mm von TOOM)
Vor 1,5 Wochen wollte ich auch einen Baum erklettern, ich habe überall hin gependelt, nur nicht dort hin, wo ich hin wollte. Zwei mal war dann auch der Wurfball – bei mir ein mit Silikon gefüllter Tennisball – festgegangen. Mit kräftigem ziehen ist es mir aber beide male gelungen, die Schnur zu zerreißen. Beide male etwa 10 cm hinter dem Endknoten. Da hatte ich wohl Glück gehabt.